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SYS Nachwuchs-Förderungskonzept

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Im Fokus: Neues Nachwuchs-Förderungskonzept für Synchron-Eislauf im KZEV

Am Sonntag, 15. November fand in der Sportanlage in Hasle/BE das Kadervorlaufen unserer Synchron-Eislaufteams statt. Dabei anerbot sich die Gelegenheit, mit Thomas Häni, Manager des Starlight-Teams, und mit Konstantin Principe vom EC Effretikon-Illnau zu sprechen. Die beiden lancierten im Frühjahr ein Nachwuchs-Förderungs-konzept für den Synchron-Eislauf im Kanton Zürich. Der Plan sieht vor, innerhalb des KZEV mehrere Nachwuchsteams aufzubauen. Diese bilden die Basis an guten Läuferinnen für ein regionales Elite-Team.

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Konstantin Principe (l.) und Thomas Häni.

 

Interview: Beatrice Jäggi

 

Wie seit Ihr dazu gekommen, dieses Regional-Konzept aufzugleisen?
K. P. Die ganze Sache wurde im letzten Januar aktuell als sich abzeichnete, dass viele Läuferinnen sowohl beim Team Passion (EC Effretikon) als auch beim Starlight-Team (EC Zürich-Oerlikon) aufhören und zu wenig Nachwuchs-Läuferinnen nachziehen würden. Viele SYS-Teams in der Schweiz kämpfen mit einem Nachwuchsproblem. Bei unseren Recherchen stellten wir fest, dass dies beim SEV bereits im Jahre 2003 erkannt wurde. Es gab Pläne für ein Nachwuchskonzept, das Stützpunkte in Oerlikon und in Burgdorf vorsah. Diese Idee haben wir nun für den KZEV wieder aufgegriffen.

Was ist seit der Lancierung im Frühjahr geschehen?
K. P. Wir gründeten eine gemeinsame TK Synchron-Eislauf mit dem EC Zürich-Oerlikon, dem EC Effretikon-Illnau, Bülacher  EC und dem EC Urdorf. In all diesen Clubs waren zuvor SYS-Aktivitäten vorhanden. Indirekt beteiligen sich der Winterthurer SC und der EC Zürich. Das Konzept haben wir allen Clubs im KZEV vorgestellt. Wir werden mit weiteren interessierten Clubs die Zusammenarbeit suchen.
Als erste Massnahme zogen wir die vorhandenen SYS-Teams zusammen. Unser Leistungssport-Ziel war ein Senioren-, ein Junioren- und zwei Nachwuchsteam aufzustellen. Das Starlight-Team ist wieder vollständig mit neuen, sehr motivierten Läuferinnen besetzt, und in Oerlikon hat es auch wieder ein Junioren-Team. Bei den Novizen können wir für diese Saison leider noch kein vollständiges Team stellen.

Wie nehmen die Eislauftrainer und die Clubs euer Projekt auf?
K. P.Viele Trainer des KZEV sehen unser Regionalkonzept als Schritt in die richtige Richtung. Auch bei den einzelnen Vereinsvorständen findet das Projekt breite Zustimmung. Es gibt aber auch Voten, die SYS als Gefahr für den Einzel-Eiskunstlauf betrachten. Die Befürchtung der Trainer, dass sie Läuferinnen und Läufer an das SYS verlieren ist allgemein spürbar.
T. H.Ein weiteres wichtiges Problem liegt in den beschränkten Eis-Einheiten, die den Trainern zu Verfügung stehen. Viele Trainer finden SYS grundsätzlich eine gute Sache, fordern aber, dass die zusätzlichen Trainings innerhalb ergänzender Eiseinheiten statt- finden. Wir haben uns auch um weitere Eis-Einheiten bemüht, teilweise mit Erfolg. Was uns im Moment noch fehlt, sind eben die Nachwuchsläufer.

Stellt SYS eine Gefahr für den Eiskunstlauf dar?
K. P. Nein. Den Trainern Läuferinnen wegzunehmen ist das letzte, das wir beabsichtigen. Ganz im Gegenteil, wir wollen den Eisläufern eine realistische Karrierealternative anbieten und sie so länger im Eissport halten und damit auch den Trainern eine Verdienstmöglichkeit sichern. Die individuelle Eislaufausbildung muss weiterhin durch die Einzeltrainer erfolgen. Wir trainieren und bilden die Läuferinnen als Team aus.

Ihr habt ja vorgängig eine fundierte Analyse mit Daten aller Lizenzierten des SEV gemacht. Was sind Eure Rückschlüsse?
K. P. Uns interessierte grundlegend die Frage, welches die klassische Laufbahn einer  lizenzierten Läuferin oder eines Läufers ist, die mit dem Interbronze-Kürtest beginnt. Unsere Statistik zeigt, dass nur 3 Prozent am Ende den Goldkürtest erreichen. Die grosse Hürde passiert zwischen dem Intersilber- und dem Silberkürtest, an welcher ca. 50 Prozent aller Lizenzierten auf der Strecke bleiben. Der Silbertest stellt eine hohe Schwelle dar, die nur noch gut 20 Prozent der Läufer schaffen. Konkret heisst das, sehr viele Jugendliche wenden sich zwischen 13 und 16 Jahren enttäuscht vom Eissport ab. Sie sehen keine Perspektive mehr im Eiskunstlauf nach vorne zu kommen. In der Schule oder in der Ausbildung sind sie ebenso stark gefordert, und müssen sich dann entscheiden, wohin der Weg gehen soll.
T. H. Mit 15 Jahren ist beim Einzellauf oft schon viel entschieden, was den weiteren Verlauf der Karriere betrifft. Beim SYS kann man in diesem Alter aber noch sehr gut bei einem Juniorenteam einsteigen und später dann vielleicht einmal an einer WM starten. Genau da setzt unser Konzept auch an, dass wir diesen Läuferinnen und Läufern eine Alternative bieten, um ihre kostbare Ausbildung noch weiter ausüben zu können.

Hat SYS nicht ein Imageproblem als Auffangbecken für Versager?
T. H. Das hat schon was. Neueinsteiger merken aber schnell, wie anspruchsvoll dieser Sport ist. SYS fordert vor allem Qualitäten im Laufstil, Tempo und in der Teambildung.
K. P. Das Leistungsniveau bei einer WM kann nicht mit einem Versager-Team erreicht werden. In vielen erfolgreichen SYS Nationen, welche übrigens oftmals den besten Eishockey-Nationen entsprechen, setzen sich die Teams aus Top-Eiskunstlauf Läuferinnen zusammen. Alle diese Nationen haben erkannt, wie wichtig eine solide Eislauftechnik für ein erfolgreiches SYS-Team ist.

Sind Doppelbelastungen im Eis-Training überhaupt machbar?
T. H. Auf jeden Fall. Für den Nachwuchs ist es sinnvoll, möglichst viel trainieren zu können, um die Grundsicherheit für den Kunstlauf aufzubauen.
K. P.SYS macht als ergänzender Teil der Ausbildung Sinn. Ich sehe das bei meiner Tochter, die neben dem Einzeltraining in einem SYS-Team läuft. Dort muss sie sich der Gruppe anpassen. In gewissen Formationen nimmt sie dabei ein enormes Lauftempo auf. Dieses Tempo macht sich jetzt bei ihr auch als Einzelläuferin bemerkbar.
  
Hat SYS in der Schweiz überhaupt eine Chance?

K. P.Wenn ich mir die 1800 lizenzierten Läuferinnen und Läufer beim SEV ansehe, glaube ich das schon. Mit fast 30 Prozent liegt die grösste Konzentration innerhalb des KZEV. Wenn wir von den 50%, die ans Aufhören denken nur jeden Dritten für Synchroneislaufen gewinnen könnten, dann könnten in der Schweiz zukünftig mit 50-100 neuen potentiellen SYS Läufer oder Läuferinnen 3-5 neue SYS - Teams gebildet werden.

Gibt es für Euer Projekt ein Businessplan. Wie viel Zeit gebt Ihr Euch?
T. H. Ja es gibt einen Businessplan. Wir geben der Sache zwei Saisons, um eine erste Beurteilung abgeben zu können.

Kommen wir auf den finanziellen Aspekt zu reden. Belastet das SYS das Portemonnaie der Eltern weniger als das Einzeltraining?

K. P. Wenn SYS ergänzend zum Einzelkunstlauf statt findet, ist mit einem Mehraufwand aus finanzieller Sicht zu rechnen. Interessant würde es, wenn die zusätzlichen SYS-Trainingseinheiten durch einen Sponsor gedeckt werden könnten. Wir arbeiten derzeit daran.
T. H. Äquivalent betrachtet ist es für die Eltern sicherlich mit weniger Aufwand verbunden, eine Tochter oder einen Sohn an eine SYS-WM zu führen als an eine Kunstlauf-WM. Beim SYS teilen sich viele Kosten im Team auf.

Welche Massnahmen habt ihr sonst noch geplant?
T. H. Das Hauptproblem sehe ich darin, dass viele die Sportart Synchronized Skating noch gar nicht kennen. Das ist auch der Grund, warum wir jetzt wieder vermehrt an regionalen Schaulaufen auftreten wollen mit unseren Teams.

Die Starlights traten im November am «Glatteis»-Tag in Oerlikon auf. Wie waren die Reaktionen der Besucher?

T. H. Sehr gut. Der Anlass gab den Eltern, Kindern und Interessierten einen guten Einblick in das SYS Training und hat uns drei neue Nachwuchsläuferinnen beschert.

Was muss eine junge Läuferin für das Novizen-Team mitbringen?
K. P. Alle Jungläufer oder Läuferinnen mit einem 3*-Test sind herzlich willkommen.